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Den SPS-Touchscreen verstehen (HMI)

  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

In der Welt der industriellen Automatisierung und Steuerung sind zwei Komponenten für die meisten Systeme von grundlegender Bedeutung: die speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) und der Touchscreen, besser bekannt als Mensch-Maschine-Schnittstelle (HMI). Obwohl sie oft zusammen gesehen und manchmal verwechselt werden, erfüllen sie unterschiedliche, aber eng miteinander verbundene Rollen. In diesem Artikel wird erklärt, was ein SPS-Touchscreen ist, wie er funktioniert und warum er für die moderne Fertigungs- und Prozesssteuerung so wichtig ist.

Die Kernkomponenten: SPS und HMI definiert

Zunächst ist es wichtig, zwischen den beiden Teilen zu unterscheiden:

Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS): Hierbei handelt es sich um einen industrietauglichen, robusten Computer, der als Gehirn des Betriebs fungiert. Dabei handelt es sich um einen spezialisierten digitalen Prozessor, der kontinuierlich Eingangssignale von Sensoren (z. B. Temperaturfühler, Grenzschalter, Durchflussmesser) überwacht, ein vom Benutzer erstelltes Steuerprogramm ausführt (Kontaktplanlogik, strukturierter Text usw.) und Ausgabegeräte (z. B. Motoren, Ventile, Pumpen, Lichter) ein- oder ausschaltet. Die SPS trifft alle logischen Entscheidungen autonom und in Echtzeit.

Touchscreen (HMI): Dies ist die Schnittstelle zwischen dem menschlichen Bediener und dem Maschinenprozess, in erster Linie der SPS. Es handelt sich um eine Kombination aus Hardware (einem Bildschirm, einem berührungsempfindlichen Overlay und einem Terminal) und Software. Sein Zweck besteht darin, dem Bediener Daten von der SPS visuell darzustellen und es dem Bediener zu ermöglichen, Befehle und Sollwerte an die SPS zurückzusenden.

Daher handelt es sich bei einem „SPS-Touchscreen“ nicht um ein einzelnes Gerät, sondern vielmehr um ein System, bei dem ein HMI die primäre Benutzeroberfläche für die Überwachung und Steuerung eines SPS-basierten Automatisierungssystems ist.

Die Beziehung ist eine Herr-Diener-Dynamik, wobei die SPS der Herr des Steuerungsprozesses und der HMI sein Fenster zur Welt ist.

Kommunikation: Der HMI ist über ein industrielles Kommunikationsprotokoll (z. B. Ethernet/IP, Modbus, Profibus, Profinet) mit der SPS verbunden. Diese bidirektionale Kommunikationsverbindung ist die lebenswichtige Arterie für den Datenaustausch.

Datenüberwachung (SPS -> HMI): Das SPS-Programm enthält Variablen (Tags), die Echtzeitdaten wie Maschinengeschwindigkeit, Tankfüllstände, Temperatur, Alarmstatus und Produktionszahlen speichern. Die HMI-Software ist so konfiguriert, dass sie diese spezifischen Tags von der SPS „liest“. Der HMI zeigt diese Informationen dann in einem intuitiven, grafischen Format für den Bediener an – unter Verwendung von Zahlen, Messgeräten, Trenddiagrammen und animierten Diagrammen, die die tatsächliche Maschine nachahmen.

Befehlseingabe (HMI -> SPS): Ein Bediener kann eine Schaltfläche auf dem HMI-Bildschirm berühren, beispielsweise eine Schaltfläche „Start“. Durch diese Aktion wird der Motor nicht direkt gestartet. Stattdessen schreibt der HMI einen Wert (z. B. eine „1“ oder „TRUE“) an eine bestimmte Speicheradresse innerhalb der SPS. Das Steuerungsprogramm der SPS scannt ständig diese Speicheradresse. Wenn es die Wertänderung erkennt, löst seine Logik die Routine aus, die den Motorstarterausgang mit Strom versorgt. Ebenso kann ein Bediener am HMI einen neuen Temperatursollwert eingeben, und der HMI schreibt diesen Wert in die SPS, die ihn dann in ihrer Steuerlogik verwendet.

Hauptfunktionen und Vorteile eines HMI für eine SPS

Das Ersetzen herkömmlicher physischer Tasten, Schalter und Anzeigeleuchten durch einen einzigen Touchscreen bietet enorme Vorteile:

Visualisierung und Echtzeitdaten: Bediener können den gesamten Prozessstatus auf einen Blick über ein dynamisches grafisches Layout sehen, das weitaus informativer ist als eine Anzeige blinkender Lichter.

Diagnose und Fehlerbehebung: Wenn ein Fehler auftritt, kann der HMI eine bestimmte Alarmmeldung anzeigen (z. B. „Motor 1 Überlastung – Antrieb A14 prüfen“) anstelle nur eines allgemeinen roten Lichts, wodurch die mittlere Reparaturzeit (MTTR) drastisch verkürzt wird.

Datenprotokollierung und historische Trends: HMIs können Prozessdaten im Zeitverlauf aufzeichnen, sodass Ingenieure die Leistung analysieren, Ineffizienzen erkennen und Trends anhand historischer Diagramme visualisieren können.

Rezeptverwaltung: Bei Anwendungen wie der Dosierung oder Verpackung, bei denen unterschiedliche Produkte unterschiedliche Parameter erfordern, können HMIs „Rezepte“ speichern und abrufen. Ein Bediener kann einfach „Produkt B“ auf dem Bildschirm auswählen und der HMI schreibt alle entsprechenden Parameter (Gewichte, Zeiten, Geschwindigkeiten) auf einmal in die SPS.

Platz- und Kosteneffizienz: Ein HMI kann Hunderte von physischen Komponenten ersetzen, was das Schrankdesign vereinfacht, die Verkabelung reduziert und die Hardware- und Wartungskosten senkt.

Verbesserte Kontrolle und Sicherheit: Es können Zugriffsebenen festgelegt werden, die ein Passwort erfordern, um bestimmte Bildschirme aufzurufen oder kritische Parameter zu ändern, wodurch unbefugter Betrieb verhindert wird.

Moderne Evolution: Von HMI zu IIoT und Edge Gateways

Das traditionelle HMI entwickelt sich weiter. Moderne Industrie-Touchscreens sind oft leistungsstärker und werden wie folgt bezeichnet:

Fortschrittliche HMIs: Mit hochauflösenden Displays, schnelleren Prozessoren und erweiterten Animationsfunktionen.

Industrie-PCs (IPCs): Kombination der HMI-Funktionalität mit einem vollwertigen Windows-Betriebssystem, um neben der HMI-Software auch andere Anwendungen auszuführen.

IIoT-Gateways: Viele moderne HMIs verfügen mittlerweile über integrierte Funktionen zur Verbindung mit dem Industrial Internet of Things (IIoT). Sie können Daten sicher von der SPS an Cloud-Plattformen übertragen, um erweiterte Analysen, vorausschauende Wartung und Überwachung auf Unternehmensebene zu ermöglichen.

Zusammenfassend ist ein SPS-Touchscreen (HMI) die unverzichtbare Brücke zwischen der deterministischen, logischen Welt der SPS und dem intuitiven, analytischen Verstand des menschlichen Bedieners. Es wandelt Rohdaten in verwertbare Informationen um und versetzt Bediener in die Lage, komplexe Systeme effizient zu steuern, Probleme schnell zu diagnostizieren und industrielle Prozesse für mehr Produktivität und Zuverlässigkeit zu optimieren. Die Kombination aus einer robusten SPS und einem intuitiven HMI bildet das Rückgrat praktisch aller modernen automatisierten Systeme.

 
 
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